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Bemerkenswerte Erkenntnisse von Jurist Thomas Fischer über Genitalverstümmelung.

T.R.E.Lentze, Samstag, 01. September 2018, 12:29 (vor 18 Tagen)

Siehe seine soeben erschienene Kolumne im "Spiegel": Verstümmelte Körper, verstümmelte Wahrheit.

Ausgangspunkt ist eine Meldung von "Terres des Femmes", einem sexistischen Verein, dem ich in meinem Sexistinnen-Pranger bereits vor längerer Zeit einen eigenen Artikel gewidmet habe. Fischer kommt nun im Verlauf seiner scharfsinnigen Betrachtungen zu einem Schluß, der mich keineswegs überrascht, nämlich, daß von der Dunkelziffer-Statistik des besagten Vereines nicht viel zu halten ist:

Die Meldung enthält überwiegend Unsinn. Welchen 50.000 Frauen die Tat "droht", warum und durch wen, und woher man das weiß, bleibt unklar. Wie der Gesetzgeber eine "Zunahme" von sogenannten Ferienbeschneidungen festgestellt hat, erfährt man ebenso wenig - abgesehen davon, was mit "Zunahme" überhaupt gemeint sein soll: Zunahme pro Zeiteinheit? Wie viele wurden pro Jahr gezählt, vorher und nachher? Von wem?

[...]

Wie ist es vorstellbar, dass ein Fachverein, der "Statistiken" veröffentlicht, [...] dass in Deutschland seit vielen Jahren massenhaft Verbrechen begangen werden, aber andererseits den Strafverfolgungsbehörden nicht ein einziger Fall angezeigt wird? Wie kann man eine "steigende Zahl" von Fällen ermitteln, wenn kein einziger aufgeklärt wird? Warum haben die Erforscher der "Diaspora" in fünf Jahren keine Strafanzeige erstattet?

Nun ja, man sollte den Statistiken eines Opfer-Vereins, zumal eines feministischen, grundsätzlich nicht trauen. Viel aufregender ist für mich eine andere Erkenntnis, zu der Fischer nebenbei auch noch kommt:

Ein Gefangener, dem man bei "verschärfter Befragung" einen Hoden zerquetscht oder in die Eichel schneidet, dürfte zu Recht empört sein, dass der deutsche Gesetzgeber seinen Fall nicht als "Genitalverstümmelung" erfasst und daher wesentlich geringer bestraft als das (sog. "milde") Entfernen der Klitorisvorhaut ohne weitere Folgen. [...] Eine Rechtfertigung für solch abwegige Fehlgewichtungen fällt mir nicht ein. Die nach dem Geschlecht des Opfers differenzierende unterschiedliche Behandlung von schweren Körperverletzungstaten gegen Frauen und Männer ist mit dem Gleichheitssatz des Art. 3 Grundgesetz nicht vereinbar. Hierauf könnte sich jeder berufen, der in Anwendung von § 226a StGB verurteilt wird.

Dabei verbindet sich der Sexismus zugunsten von Weibern mit Rassismus zugunsten von Ausländern:

Man darf in Deutschland zum Beispiel nicht schlachten, heiraten oder vererben, wie man will, wenn man nur fromm genug ist: Man darf also seinem Sohn die Vorhaut ab-, aber nicht einem Schaf den Hals durchschneiden. Muslimische Familienoberhäupter, die ihre halbwüchsigen Töchter durch Androhung von Hausarrest nötigen, ihr Haar zu verhüllen, werden mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren bestraft (§ 240 Abs. 1 StGB). Die Einbestellung eines religiösen Knabenbeschneiders dagegen wird als fröhliches Familienfest begangen und genießt den ausdrücklichen Schutz des § 1631d BGB. Draußen vor der Tür diskutiert die deutsche Bürgerschaft derweil erbittert, ob und welche Strafen erwachsenen Menschen für das Tragen von albernen Kleidungsstücken ("Ganzkörperschleier", "Burkini") auferlegt werden sollen.

Daß Fischer mit derartigen Feststellungen sich nicht beliebt macht, kann nicht verwundern. Aber der Mann ist Pensionär, kann sich das also - zum Glück für uns - leisten. Ich empfehle übrigens, den Artikel einmal (oder mehrmals) als Ganzes zu lesen. Er ist ein Musterbeispiel für anständige Recherche, an der es dem Journalismus heute so häufig mangelt.

trel

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