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Bernd Rabehl: 1968 war Aufstand gegen die Mütter (nicht Väter!).

T.R.E.Lentze, Dienstag, 08. Mai 2018, 11:40 (vor 16 Tagen)

In der JF vom 4.Mai 2018 bin ich auf eine interessante Auffassung gestoßen. Dort findet sich auf Seite 3 ein Interview mit Prof. Dr. Bernd Rabehl (geb. 1938), einem ehemaligen Exponenten der 68er-Bewegung. Ich zitiere (Hervorhebungen durch mich):

Rabehl: [...] daß 1968 eine ausgesprochene Männerrevolte und ein Aufstand gegen die Mütter war.

Gegen die Mütter?

Mütter: [Druckfehler; soll heißen Rabehl:] Ja - viel eher als ein Aufstand gegen die Väter, wie gerne behauptet wird, die ja tatsächlich oft gar nicht da waren, weil sie im Krieg geblieben oder weil die Ehen durch die Widrigkeiten der Kriegsjahre gescheitert waren. Die vielen Mütter ohne Mann konzentrierten sich nun ganz auf die Söhne. Innerlich vielleicht traumatisiert durch die Schicksalsschläge und Verlusterfahrungen des Krieges überschütteten sie diese mit intensiver Liebe und ängslicher, einengender Fürsorge. Mutterkinder waren wir also nicht nur, weil uns die Prägung durch das männliche Prinzip fehlte, sondern auch weil das weibliche doppelt und dreifach auf uns einwirkte. Dazu kam, was Sigmund Freud schon festgestellt hat, daß wenn die Mutter in die Rolle der Autorität übernimmt, sie diese nach dem weiblichen Prinzip ausübt. Etwa straft sie nicht wie der Vater, der in die Ecke stellt, einsperrt oder züchtigt, sondern mit dem Entzug von Liebe, etwa indem sie dem Kind demonstrativ ihre Enttäuschung zeigt. Das habe nicht etwa nur ich, sondern das hat meine ganze Generation erlebt.

Ich gestehe, bisher die übliche Auffassung vertreten zu haben, wonach es sich bei der 68-Bewegung um einen Aufstand gegen die Väter - die Kriegsverlierer - gehandelt habe. Eigentlich hätte das Beispiel vergleichbarer Bewegungen etwa in den VSA, also bei den Gewinnern, aber zeigen müssen, daß vielmehr der Mütter-Überschuß die Ursache des Übels gewesen sein könnte. Die 68-Bewegung war demnach also (auch) ein Aufstand gegen die Weiberplage.

Dieser Aufstand ist offensichtlich gescheitert. Die Muttersöhne blieben Muttersöhne. Und damit wurde die Ursache, zumindest eine der Ursachen, für die Verweiberung unserer Gesellschaft gelegt.

trel

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