Ministerin von der Leyens Säuberungen und die Etablierung der Holocaust-Religion

T.R.E.Lentze, Montag, 22. Mai 2017, 12:50 (vor 124 Tagen)

In einem Artikel der Jungen Freiheit vom 21.Mai 2017, Titel: "Vergangenheit, die nicht vergehen wll" (Autor ist der renommierte Militärhistoriker Martin van Creveld) lesen wir die bemerkenswerten Sätze:

Durch die Verbrechen, die in ihrem Namen von 1933 bis 1945 begangen wurden, haben sich die Deutschen selbst ans Hakenkreuz genagelt, so wie Jesus ans Kreuz genagelt wurde. Doch wurde Jesus am selben Tage abgenommen, die Deutschen aber werden hängen bleiben, solange die menschliche Erinnerung dauert, ohne die Hoffnung, die Vergangenheit jemals hinter sich lassen zu können.

Müssen die Deutschen wirklich am Hakenkreuz "hängenbleiben"? Es gibt eine neue Religion, die das so will, genauer: deren Inspiratoren das so wollen. Ich nenne sie hier die Holocaust-Religion. Diese Bezeichnung ist eingebürgert, und ich wüßte keine bessere.

Wenn ich Leuten erklären soll, was das Christentum eigentlich ist, das heißt, worin sein Sinn in Gegenwart und Zukunft besteht - die weitaus meisten Menschen, selbst Theologen, wissen das nicht mehr! -, so brauche ich ihnen nur zu sagen:

Vergegenwärtigt euch die Holocaust-Religion und verkehrt sie dann in ihr Gegenteil - und ihr habt das Christentum.

Die Holocaust-Religion, so fürchterlich, weil absolut tödlich sie auch ist, hat insofern immerhin einen didaktischen Wert. Und das ist der Grund, warum ich sie hier thematisiere.

Es gibt also eine "Schuld, die nicht vergehen will", oder nicht vergehen soll; das ist die auf ewig vorgesehene Ent-Mutigung, die verlorene Hoffnung auf Zukunft, auf Evolution, auf überhaupt irgendetwas, das dem Leben einen Sinn gibt. Das aber ist der nie vergehende, der triumphierende Tod. Und das ist - christlich verstanden - die Hölle!

Es gibt aber auch das Gegenteil, und das schon seit etwa zweitausend Jahren. Stellen wir uns einen Menschen vor, der sich bewußt einer bis dahin zu hundert Prozent tödlich verlaufenden Krankheit aussetzt, daran auch stirbt, dann aber unerwartet wieder gesundet. Er sagt: "Ich habe die Todeskrankheit besiegt. Jeder, der an mich und an meine Überwindung des Todes glaubt, hat die Chance, ebenfalls die Todeskrankheit zu überwinden."

Mir ist es schwer verständlich, warum die meisten Menschen heute nicht an Christus, den Tod-Überwinder, glauben. Der Grund wird sein: sie halten den Tod für ganz selbstverständlich, und nicht als Folge einer Krankheit. Sie sehen den Menschen wie eines der Produkte, das sie selbst zu schaffen in der Lage sind - Autos, Computer usw. -, und die bekanntlich irgendwann kaputtgehen.

Und auch das ist zu bedenken: Ein Mensch, der die ganze Menschheit von einem tödlichen Gebrechen zu heilen imstande ist, kann selbst kein Mensch sein. Er wäre, in einem recht verstandenen Sinne, ein "Übermensch". Der übliche Ausdruck aber ist "Gott". Das ist der Sinn der Formulierung, in Jesus Christus sei Gott Mensch geworden. Nur ein Gott kann den Tod überwinden, aber nur der Mensch kennt den Tod; die Götter kennen ihn nicht. Darum mußte ein Gott Mensch werden. Anders wäre die Todeskrankheit nicht zu überwinden gewesen.

Das Problem für die Atheisten besteht darin, daß sie Wesen, welche dem Menschen in seiner Evolution vorausgegangen sind, so schwer akzeptieren können, daß sie eher die ubiquitäre Todeskrankheit für normal halten, so wie der Verfall der vom Menschen geschaffenen Gegenstände normal ist. Würde es nicht Sinn machen, aus diesen "verkrusteten Strukturen" des Denkens einmal auszubrechen? Eine neue Welt würde aufgehen, eine Welt der Hoffnung und der Liebe, welche jede Schuldzuweisung, Rachsucht, jeden Wiedergutmachungs-Anspruch hinfällig machen würde!

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Nun ist Frau von der Leyen selbstverständlich nicht die Begründerin der Holocaust-Religion. Ob diese Religion direkt mit dem Holocaust begonnen habe, lasse ich dahingestellt. Unheimlich aber ist ihre Ausbreitung. Es scheint ihr ein exponentielles Wachstum innezuwohnen. Frau von der Leyen ist nur eine von den Figuren, welche die Macht haben, zu ihrer Ausbreitung beizutragen, und welche diese Macht auch nutzen.

Von tiefer Bedeutung ist die Doppelsinnigkeit des Wortes "Opfer": Es gibt...

  • das Opfer, das man erbringt - aus Liebe -, und
  • das Opfer, das man zu sein beansprucht, und nicht ohne Schuldzuweisung und Kompensationsforderungen auskommt.

In einem Falle gibt man etwas; im anderen Falle nimmt man sich etwas. Auch hieran läßt sich der Gegensatz von Christentum und Holocaustreligion demonstrieren. Hat Jesus jemals Wiedergutmachungs-Ansprüche gestellt? Im Gegenteil: Er hat die ubiquitäre Krankheit und die Schuld an ihr auf sich genommen, ohne selber schuldig zu sein. Der Holocaust-Priester hingegen, in welcher Person auch immer, will, daß unschuldige Menschen sich schuldig bekennen. Dazu wendet er Zwang an. Die Holocaustreligion ist eine Staatsreligion, und nur vom Staat geht alle (legale) Gewalt aus. Dem Christentum ist jeder Zwang seinem Wesen nach fremd; wo es sich dennoch mit Staat und Zwang verbunden hat, handelt es sich um die Folgen seiner Entartung.

Übrigens gab und gibt es auch schon "präexistente" Holocaustreligionen. Alle Befreiungs-Ideologien, die sich mit Feindbildern verbinden, gehören dazu, vor Allem die "Großen Drei": Bolschewismus, Nationalsozialismus und Sexismus, letzterer in seinen Ausprägungen Feminismus, Genderismus, Homosexismus. Vorgeblich ging bzw. geht es immer um die Schaffung einer menschenwürdigen Zukunft, aber eben mit den Mitteln der Staatsgewalt. Und hierzu muß immer eine Gruppe für schuldig, nicht existenzwürdig erklärt und verfolgt werden, sei es die Gruppe der Ausbeuter, der Fremdrassigen oder der Schwanzträger. Waren es früher noch Minderheiten, die verfolgt wurden - Adelige, Prduktionsmittelbesetzer -, sodann weltweite, aber noch überschaubare Gruppen (Juden), sodann die halbe Menschheit (Männer), so werden heute sogar Mehrheiten für schuldig erklärt, also sexuell Normale, Weiße, Erwachsene, bei uns: die, welche "schon länger hier sind", also die Deutschen als Volk.

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Der Atheist argumentiert: Wenn es Gott oder Götter gibt, warum hat er bzw. haben sie die satanischen Mächte und ihre Folgen für uns Menschen denn zugelassen? Ich stelle ihm eine Gegenfrage: Warum hast du als Vater zugelassen, daß dein Sohn sich bei Sport und Spiel verletzt, ja daß er von Fremden zusammengeschlagen wurde, weil er sich nur einmal außer Haus begeben hat? Wäre es besser gewesen, ihn einzusperren? - Evolution findet nur durch Auseinandersetzung mit einer Gegnerschaft statt. Auch ein Fußballspiel findet nur zwischen Gegnern statt. Verletzungsgefahr, selbst Todesgefahr wird dabei inkaufgenommen. Der Einwand, Gott bzw. der Veranstalter hätte das nicht zulassen dürfen, ist kurzsichtig.

Fazit:

Lassen wir es nicht weiter zu, daß Staatsbedienstete uns für schuldig erklären und uns für ewig ans Hakenkreuz nageln! Zwar mag der Einzelne, der unschuldig ist, die Schuld Anderer auf sich nehmen, aber das kann nur aus der Freiheit des Christenmenschen geschehen. Die Religion der Liebe und der Opferbereitschaft kann nicht verstaatlicht werden, ohne sich in ihr Gegenteil zu verkehren.

trel

Ablehnung der Religion

Der/Anarchist, Donnerstag, 25. Mai 2017, 15:23 (vor 121 Tagen) @ T.R.E.Lentze
bearbeitet von Der/Anarchist, Donnerstag, 25. Mai 2017, 15:34

Wenn jemand Religionen nicht ernst nehmen kann, dann deshalb, weil keine einzige Religion ihre Aussagen beweisen kann. Alle Religionen beruhen auf einen "blinden" Glauben, auf reinen Behauptungen; ferner noch werden wissenschaftliche Erkenntnisse geleugnet wie z.B. die, welche die Evolutionstheorie liefert. Deshalb sind Religionen nicht anders als politische Ideologien wie die Gender-Ideologie.

Der Mensch ist eine Art von unzähligen Arten. Zwar geistig hochentwickelt, aber an sich nur eine weitere Art von vielen. Er wird eines Tages aussterben wie einst die sehr erfolgreichen Dinosaurier. Weshalb soll der Mensch den Tod überwinden? Der Tod ist ein Teil des Lebens. Er schließt das Leben ab. Vielmehr sollte der Mensch sein Glauben überwinden, daß der Mensch an sich etwas besonderes ist, das unbedingt von einem "Gott" gewollt war. Der Mensch sollte sein Glauben überwinden, daß er nur das Ergebnis eines "Plans" sein kann! Er sollte den Zufall seiner Geburt nicht überbewerten, sondern als Geschenk annehmen und das Leben leben; nachforschen, wenn er den Drang dazu verspürt, wie alles Leben und Planeten, das Universum entstanden sind. Aber er soll sich nicht zu wichtig nehmen und glauben, daß ein alter Mann mit Bart das ganze geschaffen hat, und der Mensch der Mittelpunkt allen Seins ist.

Leben und Tod sind Gesetze, die nicht vom Menschen erschaffen wurden. Er hat sich, wurde er geboren, diese zu akzeptieren, dazu zählt auch, daß jeder für sich selbst begreifen muß, daß er als Individuum nicht mehr ist, wenn er stirbt. Was er hinterlässt (Kinder, Kunstwerke etc.) wird an ihn erinnern, er selbst aber ist tot, aufgelöst, für immer verschwunden. DAS muß er akzeptieren.

Wenn er aber glaubt, daß er nach dem Tod irgendwo auf der Achterbahn wiedererwacht, mag er das glauben, um sich seine Angst vor dem Tod zu nehmen, aber er soll nicht hingehen und andere Menschen dazu zwingen, seinen Glauben an die Achterbahn anzunehmen, was aber JEDE Religion und jede Ideologie praktiziert. Auch soll er nicht glauben, daß er durch seinen Glauben moralisch höher steht, was Ideologen und religiöse Verwirrte tun. Das heißt was der einzige glaubt, ist seine Sache. Drängt er aber seinen Glauben anderen auf, darf er nicht erwarten, daß andere sich ihm bedingungslos unterordnen.

Natürlich scheint das Widerspruch zu sein, weil oben sagte, er MUß die Gesetze und Erkenntnisse akzeptieren. Er muß es nicht, aber sie zu akzeptieren heißt, das Leben zu vereinfachen, da das Leben bereits kompliziert und schwer zu begreifen ist; ein täglicher Kampf mit sich und seiner Umwelt. Wozu dann noch das Leben komplizierter machen?!

Lehnst du auch die Holocaust-Religion ab?

T.R.E.Lentze, Donnerstag, 25. Mai 2017, 17:41 (vor 120 Tagen) @ Der/Anarchist

Hallo Anarchist,

es freut mich, wieder von dir zu lesen. Allerdings bist du nicht wirklich auf meinen Artikel eingegangen. Stattdessen hast du nur zum wiederholten Male dein ganz persönliches Ressentiment bedient, welches du mit einem Komplex gewisser Vorstellungen, in deiner Sprache "Religion" genannt, verbindest.

Wenn jemand Religionen nicht ernst nehmen kann, dann deshalb, weil keine einzige Religion ihre Aussagen beweisen kann.

Da hast du einen Sachverhalt auf den Kopf gestellt. Gerade weil Religionen ihre Aussagen nicht beweisen können und nicht beweisen wollen, muß man sie ernstnehmen. Da machst auch du keine Ausnahme. Den Islamisten, der dich Ungläubigen mit einer Bombe bedroht, wirst auch du ernstnehmen. Eigentlich ist das sogar der beste Beweis, den dieser Gläubige erbringen kann - nämlich den Tatsachenbeweis. Du kannst den Islam und den Islamismus nicht widerlegen. Für die Holocaust-Religion gilt das Gleiche. Frau v. d. Leyen erbringt keine Beweise für die Richtigkeit ihrer Gedanken. Sie wickelt nur tatkräftig die Bundeswehr ab.

Es sind umgekehrt gerade die "wissenschaftlich bewiesenen Tatsachen", die man nicht ernstnehmen muß. Wenn mir jemand ein physikalisches Theorem beweist, dann sage ich nur "ja, ja" und wende mich wieder meinen Beschäftigungen zu. Zum Beispiel auf der Klarinette improvisieren. Da will ich keine Theorie beweisen; da will ich etwas Unbewiesenes hervorbringen.

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Alle Religionen beruhen auf einen "blinden" Glauben, auf reinen Behauptungen;

Das mit dem "blinden Glauben", das ist schon richtig; nur deine Verknüpfung mit den "reinen Behauptungen", die stimmt nicht.

In dieser Verknüpfung, die du reflexhaft vornimmst, liegt der Fehler. Anders gesagt: du siehst nicht, daß der Begriff "Glaube" mindestens zwei ganz verschiedene Bedeutungen hat. Nämlich:

  • Glaube als Vermutung, d.h. als mutmaßliche, ungesicherte oder defizitäre Erkenntnis.
  • Glaube als ein wertender Akt und zugleich Handlungs-Motiv.

Der Islamist wertet und handelt. Er vermutet nicht; außer vielleicht bei der Wahl seines Aktionsfeldes ("Wo sind jetzt die meisten Menschen, die ich am sichersten töten kann?").

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Der Mensch ist eine Art von unzähligen Arten.

Mit diesen Worten leitest du eine kirchentypische Predigt ein, in welcher sich beide Glaubens-Begriffe vermengen. Du nimmst bestimmte Wertungen vor; zugleich behauptest du mancherlei und willst ihm durch den Anschein der Rationalität Glaubwürdigkeit verleihen. Damit tust du etwas, was du vorgeblich ablehnst, vgl. die folgenden Sätze:

Auch soll er nicht glauben, daß er durch seinen Glauben moralisch höher steht, was Ideologen und religiöse Verwirrte tun. Das heißt was der einzige glaubt, ist seine Sache. Drängt er aber seinen Glauben anderen auf, darf er nicht erwarten, daß andere sich ihm bedingungslos unterordnen.

Gib es ruhig zu: Du hälst dich für einen aufgeklärten Menschen und insofern für höherstehend. ;-) Ferner bist du selbst nicht ganz ohne missionarischen Eifer.

Es ist dein anti-kirchlicher Affekt, der dich daran hindert, auf das von mir angeschnittene Thema wirklich einzugehen. Dieser Affekt wirkt sich als Denk-Blockade aus. Ich will (und kann) dich nicht zum Christen machen, denn es muß zu jeder Mannschaft auch eine Gegenmannschaft geben, sonst findet kein Spiel statt. Also habe ich keineswegs die Absicht, dich auf meine Seite zu ziehen. Ich hätte nur gerne, daß du die gegnerischen Position zur Kenntnis nimmst, denn auch ohne diese Kenntnis kann kein Spiel stattfinden.

Gruß
trel

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Lehnst du auch die Holocaust-Religion ab? Ja!

Der/Anarchist, Donnerstag, 25. Mai 2017, 19:56 (vor 120 Tagen) @ T.R.E.Lentze

Natürlich bin ich auf Deinen Text eingegangen. Zu behaupten, ich sei dies nicht, damit versuchst Du meine Aussage zu entkräften. Denn ich schrieb schlicht, daß jede Religion und jede Ideologie auf reinen Behauptungen beruht und jede dieser Behauptungen durch die Realität widerlegt wird.

Und daher ist es falsch, zu glauben, man müsse etwas ernst nehmen, das Behauptungen aufstellt, die bei näherer Betrachtung reine Verbalaussagen sind. So wie diese Gender-Ideologie, die behaupten, es gäbe keine Geschlechter, dies aber durch die Realität widerlegt wird. Ernst muß ich dies erst dann nehmen, wenn ein Bombenleger mein Leben bedroht. Und warum? Weil er ein religiöser Fanatiker ist, der auf Grund seines Glaubens, den er mir aufdrängen will, bedroht. Das heißt nicht die Religion an sich ist es, die mich bedroht, sondern der Fanatiker, der den Glauben an jener Ideologie/Religion mit Gewalt verbreiten will.


Und bist Du es nicht, der die Sache verdreht? Wenn etwas ernst genommen werden kann, dann die Wissenschaft! Ihre Beweise haben es erst ermöglicht, die Welt weitgehend zu verstehen. Erst durch die Physik z.B. haben sich die Dinge plausibel erklären lassen. Daß die Erde plötzlich nur ein Planet von vielen ist; dieses Sonnensystem nur eines von unendlichen hat das Bewusstsein tiefgreifend verändert, dahingehend daß der Mensch anerkennen musste, nicht der Mittelpunkt des Universums zu sein, der Mensch dadurch seine Sonderstellung verliert. Auch durch die Evolutionstheorie wurde klar, daß der Mensch nur ein weiter entwickeltes organisches Wesen oder direkter "Tier" ist. Und das nicht anzuerkennen, iat Sache des Individuums, aber dennoch bleibt es wahr in seiner Aussage.

p.s. Teil 2 folgt später.

Religiöse Behauptungen können nicht widerlegt werden, wissenschaftliche schon.

T.R.E.Lentze, Donnerstag, 25. Mai 2017, 20:41 (vor 120 Tagen) @ Der/Anarchist

Natürlich bin ich auf Deinen Text eingegangen. [...] Denn ich schrieb schlicht, daß jede Religion und jede Ideologie auf reinen Behauptungen beruht und jede dieser Behauptungen durch die Realität widerlegt wird.

Mir scheint, du hast es immer noch nicht verstanden. Religion beruht nicht auf Behauptungen, sondern auf Wertungen. Kennst du den Unterschied? Viele kennen ihn nicht.

Beispiele:

Ich bin Nichtraucher. Aber ich bin es nicht aufgrund von Behauptungen (die richtig oder falsch sein können), sondern weil der Rauch für mich keinen (Genuß-)Wert hat. Hätte er welchen, dann würde ich den (vernünftigen) Gründen zuwiderhandeln oder sie gar "widerlegen".

Ich bin Vegetarier. Aber nicht, weil es gesünder ist und weil ich gegen die Tierquälerei bin und schließlich auch noch die Welternährungslage im Sinn habe, sondern weil ich kein Bedürfnis habe nach Fleisch. Die guten Gründe kommen mir natürlich zupaß, aber ich würde sie anderenfalls "widerlegen" oder bagatellisieren, bestenfalls zugeben, daß ich willensschwach bin.

Ebenso bevorzuge ich keine Birnen gegenüber Äpfeln (um nur ein Beispiel zu nennen), weil ich darin mehr oder bessere Vitamine und Mineralstoffe vermute. Auch die Liebe zu einem Menschen wird man (hoffentlich) nicht begründen.

So ist es auch mit den Religionen, zu welchen ich auch deinen - pseudowissenschaftlich verbrämten - Materialismus zähle. Oder nehmen wir die Musik. Ich bin für viele musikalische Stilrichtungen völlig unempfänglich, für andere schon. Andere Menschen sind wiederum für andere Stile offen. Aber nicht weil ich bzw. sie dafür Gründe hätte(n)!

Du suchst zu oft nach Gründen, wo Gründe gar keine Rolle spielen. Zum Beispiel "erklärst" du die Überzeugung vom Leben außerhalb des physischen Leibes mit der Hoffnung auf ein besseres Leben im Jenseits. Aber die meisten Menschen gerade im überwiegend gläubigen Mittelalter hatten gar keine Paradieseshoffnung, vielmehr Höllenfurcht.

Also nochmal: Religion hat keine Gründe und braucht keine Gründe. Wer Gründe aufführt und damit überzeugen will, der glaubt nicht wirklich. Wohlgemerkt: Glaube in der zweiten Bedeutung, als Gefühls- und Willensakt.

Was übrigens die Gender-Ideologie betrifft, so handelt es sich ebenfalls um eine Wertungs-, also um eine Gefühls- und Willenssache. Sie läßt sich nicht widerlegen. Gegen die Widerleger wird politisch vorgegangen. Und wo Gründe tatsächlich widerlegt sind, wird auch ohne Gründe gehandelt. Darüber sollten wir uns im Klaren sein.


trel

Religiöse Behauptungen können nicht widerlegt werden, wissenschaftliche schon.

Der/Anarchist, Freitag, 26. Mai 2017, 01:53 (vor 120 Tagen) @ T.R.E.Lentze
bearbeitet von Der/Anarchist, Freitag, 26. Mai 2017, 02:13

Zuerst einmal bin ich unterwegs, gehe auf Deine Kommentare eher kurz ein.

Religion gründet sich auf Behauptungen! Wenn jemand behauptet, es gäbe Gott, ist dies eine Behauptung, keine Wertung. Und wenn man dann behauptet, dass Gott dies und das getan habe, sind das keine Wertungen. Deshalb gehen Deine Beispiele an der Sache vorbei. Wobei sie in einer Sache dienlich sind: sie zeigen in der Tat den Unterschied zwischen Behauptung und Wertung. Denn z.B. der Vegetarismus hat nicht viele gute Gründe, zumindest nicht, wenn behauptet wird, er sei gesünder. Das ist er nicht. Massentierhaltung ist ein gutes Argument...


Die Wissenschaft dagegen begründet, beweist, zeigt klar auf. Sie kann nicht alles erklären, aber das liegt schlicht daran, daß der Mensch nicht alles erklären kann.

Nur bin ich kein reiner Materialist. Allein deshalb, weil jeder Mensch Gefühl, Emotion, Intuition hat. Das heißt im Bereich der (klassischen) Musik, die in ihrer Theorie sehr geordnet, fast schon mathematisch geordnet ist, da genieße ich die fertige Komposition. In der Liebe ist es fast ähnlich, fast, weil ich wohl hinterfrage, weshalb ich einen bestimmten Menschen liebe, ich aber nur ansatzweise diese Liebe erklären kann, sie vielmehr annehme.


Und ich denke, es geht, auch in diesem Dialog, darum, welche Ursache/Ursachen verantwortlich sind für das Leben. Aber diese Ursache ist dann sehr tiefgreifend auf das Bewusstsein des Menschen: gibt es einen Gott oder ist alles eher begründet in physikalischen Ursprüngen. Und ich denke, daß die Wissenschaft mehr Argumente vorzuweisen hat.


Und nur weil die Behauptung, es gäbe Gott, nicht widerlegt werden kann, ist das kein Grund, zu behaupten, die Behauptung sei richtig. Und nur weil wissenschaftliche Theorien widerlegt werden können, sind sie nicht schwächer und daher für den Menschen uninteressant. Denn Theorien widerlegen heißt, der Wahrheit näher zu kommen, was GLAUBE nicht kann, da Glaube mit der Wahrheit nichts zu tun hat.

Holocaust-Religion

Der/Anarchist, Freitag, 26. Mai 2017, 06:42 (vor 120 Tagen) @ Der/Anarchist

Dies war ja die Ausgangslage.


Ich hatte den Kommentar von Crefeld schon am Tag seiner Veröffentlichung bei der JF gelesen. Was ich an dieser, Crefelds Sichtweise kritisiere, ist, daß er diese "Religion" uns Deutschen aufdrängt. Einerseits hat er insofern Recht, wenn er behauptet, daß dies für immer ein Teil der deutschen Geschichte sein wird - notwendigerweise. Jedoch zu behaupten, daß diese Vergangenheit niemals hinter sich gelassen werden könne (eher "sollte", da Crefeld es im Grunde fordert), sie also immer Gegenwart bleibe, diese Sichtweise lehne ich selbstverständlich ab, wie jede Religion/Ideologie, wenn sie politisch wird und das Verhalten der Menschen, hier Deutsche, bestimmt.

Ich bin ein Deutscher, Sohn zweier Ostpreußen. Meine Eltern haben beide die Nazizeit als Kinder/Jugendliche erlebt. Trotzdem bin ich für nichts von dem, was damals passierte, verantwortlich. Ich bin mir daher keiner Schuld bewusst. Weshalb soll ich ans Kreuz genagelt werden? Was Crefeld hier begeht ist das, was die Nazis praktizierten: Sippenhaft! Denn DIE Deutschen sind in erster Linie nur ein Begriff. Füllt man den Begriff mit Fleisch und Blut, sieht man, daß DIE Deutschen sich stetig entwickelten, im positiven wie im negativen Sinne. Es mag zwar Gebräuche und Traditionen geben, die man dann als Kultur der Deutschen bezeichnet, da diese Dinge in jeder Generation zu finden sind, aber was die Nazis taten, ist sicherlich nicht eines dieser Dinge. Crefeld beweist damit nur seinen persönlichen Hass gegen das Deutsche, die Deutschen. Seine Sicht ist meines Erachtens Ausdruck eines psychologischen Problems, mit dem er allein fertig werden sollte.

Im Gegenteil muss die Nazizeit als Teil der deutschen Geschichte intellektuell überwunden werden, damit wieder, im gesellschaftlichen und politischen Sinne, Deutschland ein souveränes Land wird. Alles andere ist schädlich und wird eines Tages vielleicht sogar dazu führen, dass, wie es derzeit scheint, Deutschland geschichtlich sein Ende findet, wie einst die Hellenen oder Rom; oder Deutschland wird, eher unwahrscheinlich, wild um sich schlagen, um all die zu bestrafen, die es mit Brutalität niedergeworfen haben und es immer wieder mit Dreck bewarfen. Wobei aber mittlerweile dies zumindest innerhalb des Landes geschehen kann, da diese Zerstörung Deutschlands von den eigenen Reihen aus geht. Die Wut auf die Politik, die Medien wird immer heftiger.

Diese Holocaust-Religion, wenn man sie so nennen will, beweist für mich die Gefahr, wie ein persönliches Ressentiment dazu führt, in das Verhalten einer Politik und privates Leben einzugreifen. Und genau dies lehne ich ab, da es meine Freiheit einschränken will. Denn ich lasse mich in keinster Weise einschränken. Wie ich denke und handle entscheide ich. Durch die Tatsache Mensch zu sein, bin ich schon determiniert genug (Leben, Tod), bin, will ich anständig leben, abhängig von vielen Dingen. Wer also nimmt sich das Recht, mir vorzuschreiben, wie ich mich Verhalten soll? Was ich denken soll? Wie ich handeln soll?

Wer glaubt, wertet, behauptet, soll dies tun. Aber sich nicht zum Maßstab machen.

Es bleibt unklar, was M.v.Crefeld sagen will.

T.R.E.Lentze, Samstag, 27. Mai 2017, 02:01 (vor 119 Tagen) @ Der/Anarchist

Was Crefeld hier begeht ist das, was die Nazis praktizierten: Sippenhaft! [...] Crefeld beweist damit nur seinen persönlichen Hass gegen das Deutsche, die Deutschen.

Schön, daß wir wieder beim Thema sind.

Mir ist nicht klar, was M.v.Crefeld sagen will, wenn er Folgendes äußert:

Durch die Verbrechen, die in ihrem Namen von 1933 bis 1945 begangen wurden, haben sich die Deutschen selbst ans Hakenkreuz genagelt, so wie Jesus ans Kreuz genagelt wurde.

"Die Deutschen" - damit kann das deutsche Volk gemeint sein, dann handelt es sich um eine Behauptung mit Objektivitätsanspruch; oder es kann die offizielle Doktrin der amtierenden deutschen Politiker gemeint sein, dann handelt es sich um einen Hinweis auf die politische Holocaust-Religion.

Doch wurde Jesus am selben Tage abgenommen, die Deutschen aber werden hängen bleiben, solange die menschliche Erinnerung dauert, ohne die Hoffnung, die Vergangenheit jemals hinter sich lassen zu können.

Auch hier kann man sich fragen: Handelt es sich um einen Wunsch oder um eine Befürchtung? Zuletzt:

Dennoch – um wahrhaftig zu sein –, als Jude und Israeli, der etliche Angehörige im Holocaust verloren hat, und als Mensch weiß ich nicht, wie dies je aufgelöst werden könnte.

Er sagt nicht als Wissenschaftler: "Dies ist unauflösbar", sondern: "als Mensch weiß ich nicht, wie dies je aufgelöst werden könnte."

Seine Haltung ist insofern alles andere als eindeutig. Natürlich ist das unbefriedigend. Aber mir scheint, daß du zu vorschnell urteilst. Ich bin hier geneigt, M.v.Crefeld in Schutz zu nehmen, weil er als ein selbständig Denkender sich selbst dem Haß der Holocaust-Religiösen, und übrigigens auch der Feministen, aussetzt.

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Jetzt wieder zu unserer persönlichen Differenz:

Wer also nimmt sich das Recht, mir vorzuschreiben, wie ich mich Verhalten soll? Was ich denken soll? Wie ich handeln soll?

Ein Christ nimmt sich niemals das Recht, jemandem vorzuschreiben, wie er denken und handeln soll. Wenn du dem widersprichst, so zeigt das nur, daß wir verschiedene Vorstellungen vom Christsein haben; anders gesagt, es zeigt, daß du den evolutiven Impuls, der durch die Menschwerdung Gottes, seinen Tod und seine Tod-Überwindung, erfolgt ist, nicht siehst. Daran kann ich nichts ändern.

Was mich an dir irritiert, ist, daß du dich auffällig häufig dagegen verwahrst, daß man dir etwas aufdrängen will, obwohl das zumindest in meinem Fall nicht zutrifft. Anderseits versuchst du immer wieder, mir deinen Materialismus aufzudrängen.

Ja, wo liegt der Unterschied zwischen uns? Ich kann dir das, worum es mir geht, nicht aufdrängen, denn Voraussetzung dafür wäre, daß du es siehst. Zwar glaubst du etwas zu sehen, aber es ist nicht das, worum es mir geht. Umgekehrt verstehe ich dich sehr wohl, wenn du von deinem Idol redest. Dein Idol ist die Wissenschaft, oder das, was du dafür hälst. Es ist der vor-christliche Standpunkt, der heute natürlich weiter entwickelt ist als zur Zeit des Aristoteles. Der Materialismus ist ursprünglich; wir alle haben ihn mit der Muttermilch eingesogen. Jeder Mensch, auch der fortschrittlichste, kennt ihn, weil er mit ihm aufgewachsen ist. Und darum ist es im Prinzip auch möglich, einem Christen den Materialismus aufzudrängen, genauer gesagt: ihn in die Abwehrhaltung zu zwingen. Denn der Christ versteht mit Sicherheit den Materialisten und den Materialismus; umgekehrt ist das zweifelhaft.

Vielleicht sollte ich erklären, was ich meine, wenn ich in diesem Zusammenhang von Materialismus rede. Es ist die Überzeugung, daß das Höhere sich aus dem Niederen entwickelt habe; der Mensch aus dem Tier, das Tier wahrscheinlich aus der Pflanze; diese aus dem Mineralischen. Einfache Beobachtungen zeigen jedoch, daß dies nicht zutrifft.

Zum Beispiel dachte man früher, daß Würmer (eigentlich: Maden) aus dem Schlamm entstünden - bis entdeckt wurde, daß sie sich aus fruchtbaren Eiern entwickelten, die man nur ihrer Kleinheit wegen bis dahin nicht sehen konnte. Es gibt bis heute keine Beobachtung, daß Lebendes sich aus Totem entwickeln würde. Umgekehrt entwickelt sich Totes aus Lebendigem, so etwa Kohle aus abgestorbenen Pflanzen und Erdöl aus Muscheln.

Natürlich ist die Erklärung, daß Würmer aus dem Schlamm entstehen, die einfachste Erklärung, aber die einfachste Erklärung ist selten die wahre Erklärung. Wenn man Autos fragen würde, woher sie stammen, und sie antworten könnten, so würden sie wahrscheinlich sagen, daß sie sich aus Eisenerzen und Erdöllagern entwickelt hätten. Der Blick auf ihre Ingenieure wäre ihnen verschlossen, denn er setzt ein höheres Verständnis voraus. Sie hätten also die einfachste Erklärung, aber sie wäre falsch, auch wenn sie wahre Elemente enthält.

Übrigens muß man kein Christ sein, um dies zu erkennen. Ich dränge dir nichts auf. Es genügt, die inneren Widersprüche aufzuzeigen, die in jeder Religion liegt, welche sich dem evolutiven Impuls verweigert. Sie wird damit ungültig und entwickelt innere Widersprüche. Das gilt selbstverständlich auch für den Feminismus und Genderismus. Hier sind wir uns einig.

trel

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Es bleibt unklar, was M.v.Crefeld sagen will.

Der/Anarchist, Mittwoch, 31. Mai 2017, 15:08 (vor 115 Tagen) @ T.R.E.Lentze

Bin wieder nach 2 Wochen zu Hause...daher erst jetzt weiter im Dialog.


Für mich sind "die Deutschen" alle Deutschen, unabhängig davon ob sie verantwortlich waren oder nicht, also Volk, Regierung, Nachwuchs.
Crefeld ist Historiker, er wird genaues definieren gelernt haben. Und deshalb betrachte ich seine Aussage als problematisch, auch wenn man in der Tat die weiteren Sätze zweideutig auslegen kann (Befürchtung oder Wunsch), was er meines Erachtens hätte verhindern müssen. Denn jemand, der sich in der Öffentlichkeit bewegt, weiß um die suggestive Kraft von Worten und Formulierung. Solche Sätze bewirken meines Erachtens weiterhin, daß "die Deutschen" sich schuldig fühlen sollen. Denn als Historiker weiß man, daß geschichtliche Ereignisse mit der Zeit verblassen. Nein, Crefeld kann in diesem Fall seine eigene Vergangenheit nicht überwinden und bewirkt mit seinen Sätzen das Gegenteil dessen, was ich von einem Historiker erwarte: Objektivität.

..."wie dies je aufgelöst werden könnte"...


Alles, was endlich ist, kann und wird sich auflösen. Schließlich sind "die Deutschen" nicht die einzigen, die zu solchen Taten fähig gewesen waren. Die Römer, Karl der Große, Dschingis Khan, die Türken, die Belgier,usw. waren Schlächter, wenn auch mit verschiedenen Methoden. Weshalb es innerhalb der Geschichte plötzlich einen Superlativ geben soll, ist nur dann zu verstehen, wenn man weiß, daß man mit gewissen Ereignissen Ziele erreichen kann, wenn man sie zu nutzen versteht. Die sogenannte Holocaust-Industrie ist ein Ergebnis davon. Aber auch der Linksextremismus (alle Nazis ausser wir).

Denn ich bin ein kleines Beispiel: ich sehe jene Zeit nüchtern. Ich bin mir keiner Schuld bewusst. Auch empfinde ich nichts, wenn ich mich mit der Zeit des Nationalsozialismus beschäftige, auch kein Mitleid. Wie auch? Und wer dies kritisiert, sollte sich fragen, ob er dann auch Mitleid mit den Sachsen hat, die von Karl dem Großen abgeschlachtet wurden? Oder mit den Opfern, die in russischen Gulags starben? Oder mit den Armeniern?

Die Zeit 1933-1945 ist nicht eine Art Scheitelpunkt der Geschichte, sondern nur ein Teil von ihr. Wir leben in einer anderen Zeit, die zwar von ihr beeinflusst wurde, aber die Römer beeinflussen uns streng genommen auch noch (Römisches Recht, Kanalisation usw).

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Nein, mein Idol ist nicht die Wissenschaft. Die Wissenschaft ist für mich nur diejenige, die mir am meisten erklären kann. Selbst objektive Fragen ist sie nicht imstande zu erklären z.B. warum (Sinn) ist das Universum und damit die Erde und das Leben auf der Erde entstanden?

Aber vor allem nicht erklärt sie mir, was ich persönlich in meinem Leben tun muss/soll. Persönliche Fragen muss ich mir selbst beantworten. Ich betrachte die Wissenschaft als ein geistiges Werkzeug, nicht als Idol oder als "Gott". Das interpretierst Du falsch.

Die Evolutionstheorie hat andere Erkenntnisse. Ursprung des Lebens ist das Meer, in dem sich kleinste Organismen entwickelten und aus denen sich verschiedene Arten von ableiten (sehr stark vereinfacht gesprochen). Und dieser Entwicklungsstrang ist nicht für den Menschen verwerflich. Wenn er sich als Art geistig hoch entwickelt hat, sollte er es als Geschenk akzeptieren und nicht boykottieren, indem er sagt: niemals kann sich Höheres aus Niederem entwickeln.

So etwas ist belanglos. Wichtig ist der Ursprung, das Leben in der Gegenwart und die mögliche Zukunft. Doch genau dies zu erforschen und mit dem Wissen anständig zu leben beherrscht der Mensch nicht, weshalb er zu Extremen neigt, die Natur zerstört, in Gier und Totschlag endet.

Daß vieles ungeklärt ist, da stimme ich zu. Welche Methode, welcher Weg zur Gewissheit führt, ist eine andere Frage. Für mich persönlich ist die Religion darin eine Sackgasse, weil sie vereinfacht und auf Glauben basiert.

Scheitelpunkt der (deutschen) Geschichte: Christi Auferstehung oder die Shoa?

T.R.E.Lentze, Mittwoch, 31. Mai 2017, 20:24 (vor 114 Tagen) @ Der/Anarchist

Ich bin völlig deiner Meinung, was die Rolle des Nationalen Sozialismus in Deutschland betrifft. Mein Vater war übrigens selbst Opfer dieser Bewegung, wie nachzulesen in meiner Autobiografie. Sekundär bin somit auch ich ein Opfer. Tatsächlich hat die negative Verherrlichung und Verewigung des NS politisch-ideologische Gründe.

Daher:

Die Zeit 1933-1945 ist nicht eine Art Scheitelpunkt der Geschichte, sondern nur ein Teil von ihr.

Gibt es, wenn nicht diesen, so einen anderen, wirklichen Scheitelpunkt? Ich meine ja: Tod und Auferstehung des Gottessohnes. Man kann natürlich die Realität dieses Ereignisses leugnen und behaupten, daß es sich um "bloßen Glauben" (im Sinne einer Vermutung) handle. Aber auch dann bleibt es Tatsache, daß die deutsche Geschichte ohne dies Ereignis (bzw. dessen, was die Germanen daraus gemacht haben) völlig anders verlaufen wäre. Und gerade die deutsche Geschichte! Es gibt keine andere Sprache, in welcher das Wort (für das) "Ich" sich aus den Initialen von Iesus Christus zusammensetzt. Was man natürlich wieder für bloßen Zufall erklären kann. Doch die Ichheit - nicht die Egoität - begründet sich darauf: der Christ sieht Christus als sein (höheres) Ich; als die alleinige Grundlage einer zukunftsfähigen Selbstreflexivität.

Beachte bitte den Kern meiner ursprünglichen Aussage: Der christliche Impuls und die Holocaust-Religion stehen in einem sich ergänzenden Verhältnis zueinander. Um jeweils das eine Element zu verstehen, ist es hilfreich, sich das andere Element zu vergegenwärtigen - etwa so, wie man Kälte verstehen kann, wenn man Wärme versteht, und umgekehrt. Vielleicht hindert dich dein Vorurteil, dieses Gedanken-Experiment wirklich einmal zu vollziehen. Etwa weil du eine unzutreffende Vorstellung von einem der beiden Elemente hast.

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Was verstehst du unter Wissenschaft? Auch Steiner hat seine Anthroposophie als Wissenschaft bezeichnet, genauer als "Geisteswissenschaft". Es gab und gibt sogar eine "Christliche Wissenschaft". Es war damals einfach Mode, alle möglichen Gedankenkonzepte als Wissenschaft zu bezeichnen, um ihnen Vertrauenswürdigkeit zu verleihen. Gerade daran wird ersichtlich, daß die Wissenschaft auch - nicht nur, aber auch! - einen Glaubenscharakter (im Sinne einer wertenden Willenshaltung) hat. Sie steht für Strenge des Denkens. Aus demselben Grunde hat sie heute an Ansehen verloren, so wie andere Religionen. Die Ursache ist eine allgemeine Verflachung des Glaubens, d.h. des Willens, für Werte einzustehen; anders gesagt: die Ursache ist ein gegenwärtig zunehmender Hedonismus und Feminismus. Strenge ist "anstrengend", einer männlich-konservativen Haltung entspringend und wird daher negativ bewertet.

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Ursprung des Lebens ist das Meer

Das ist ein religiöser Satz. Aber seien wir genau: Es gab eine Stufenfolge der Verdichtung. Am Anfang der physischen Welt stand Wärme (Energie); diese wurde verdichtet zu Gasen (heute: Luft); diese zu Flüssigkeiten (heute meist Meerwasser), und diese zu Festem. (Diese Aussagen darf man natürlich nicht chemisch interpretieren, also mit Kategorien begründen, die nur für die jetzige Evolutionsstufe gültig sind.)

Auch der Mensch war anfangs wärmehaft, gasig, flüssig, in dieser Reihenfolge. Er hat sich nur viel später verfestigt als die Tiere, woraus der mögliche Fehlschluß resultiert, daß er sich aus Tieren entwickelt habe. Ein echter Wissenschaftler wird sich eines solchen Fehlschlusses natürlich enthalten, aber Wissenschaft ist eben, wie erwähnt, ein historisch entstandenes Gemenge, in welchem auch Erwerbstrieb, Ehrgeiz, Existenzängste, Politik und religiöse Bedürfnisse ihre Rollen spielen.

Für mich persönlich ist die Religion darin eine Sackgasse, weil sie vereinfacht und auf Glauben basiert.

Ich sehe eher die gegenwärtig etablierte Wissenschaft - als Phänomen, nicht als Idee - als ein System der extremen Vereinfachung. Nicht im Detail, aber was die großen Zusammenhänge betrifft. Und darum ist sie für mich beinahe nutzlos. Um logisch denken zu lernen und sich von Vorurteilen zu befreien, vor Allem aber: um den Sinn zu erfahren, für den zu leben sich lohnt, um überhaupt Lebensmut zu gewinnen bzw. zu behalten, dazu braucht es keiner Wissenschaft.

Oder war es etwa die Wissenschaft, die dich gelehrt hat, die Holocaust-Religion als das zu erkennen, was sie ist: eine Politische Religion der gewollten völkischen Ent-Mutigung? Welche Wissenschaft hat dich das gelehrt? Welcher Wissenschaftler?

Gruß!
trel

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Scheitelpunkt der (deutschen) Geschichte: Christi Auferstehung oder die Shoa?

Der/Anarchist, Mittwoch, 07. Juni 2017, 02:39 (vor 108 Tagen) @ T.R.E.Lentze

Ich will nur auf den ersten Teil eingehen und dem widersprechen. Mein Vater war im Prinzip auch Opfer des Nationalsozialismus: Hitlerjugend und Krieg mit anschließenden dreijährigen Gefängnis in Ural, wo er fast gestorben wäre. Mein Vater hat den Krieg und die Gefangenschaft nie überwunden. Er trank zu viel und war schwach. Im gewissen Sinne war ich ein Opfer des Nationalsozialismus. Aber ich betrachte mich nicht als Opfer. Weil ich nicht selbst davon betroffen war. Was mein Vater erlebte, ist mir fremd. Ich bin nur von dem betroffen, was ich erlebte. Und es mag, (objektiv? subjektiv?) vom Nationalsozialismus beeinflusst worden sein, aber ich selbst sehe das anders. Weil ich persönlich keine Beziehung zu jener Zeit habe. Unwichtig, ob mein Vater daran gelitten hat. Wir Menschen erleben die Welt erst ab dem Zeitpunkt, wenn langsam das Bewusstsein in unserem Kopf ist. Einerseits sind wir von unseren Genen, von unserer (geschichtlichen) Vergangenheit geprägt, aber seien wir ehrlich: wir tragen keine Verantwortung für die Taten unserer Ahnen...weil wir erst Leben von Punkt 1 bis Punkt 2. Das heißt wir tragen nur die Verantwortung für unser Leben!

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