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Das ist weniger ein politisches, eher ein künstlerisches Versagen.

T.R.E.Lentze, Donnerstag, 11. Januar 2018, 20:32 (vor 7 Tagen) @ Der/Anarchist

Politisch allenfalls insofern, als die Oper staatlich hoch subventioniert wird. Aber die Entscheidung liegt hier beim Intendanten. Und niemand ist gezwungen, hinzugehen. Würde das Publikum ausbleiben, dann müßte das Stück abgesetzt werden. Aber anscheinend gibt es genug Besucher. Dann ist es keine Diktatur.

Nebenbei: wir sollten mit den Begriffen korrekt umgehen. Ein Diktator ist kein Tyrann und auch kein Faschist, sondern wird gewählt und mit zeitlich befristeten Sondervollmachten ausgestattet, um aufgrund seiner anerkannten Kompetenz ein bestimmtes Problem zu lösen. Das galt jedenfalls im alten Rom, wo auch das Wort herkommt.

Ich habe die Oper "Carmen" ein- oder zweimal erlebt. Es ist ein großartiges Stück, dramatisch und musikalisch. Der Schluß, wie es ihm jetzt verpaßt wurde, ist absurd und pervers. Die Zigeunerin Carmen ist ein wahres Luder (wenn auch erotisch faszinierend) und verdient nicht, als moralisches Vorbild dargestellt zu werden.

Was ist der Hintergrund dieser Entstellung? Satanismus. Die Tragik, die uns im Original mit Carmens aufregender, aber tödlicher Triebhaftigkeit versöhnt, wird hier moralisch verbrämt zu einem Befreiungskampf gegen den - im Grunde - anständigen Mann.

Es ist die Umkehrung des Heldentums, das in der männlichen Emanzipation von den alten Muttergottheiten bestanden und seinen Niederschlag in den griechischen Sagen gefunden hat. Die Heldensagen datieren aus einer Zeit, da der Mensch sich vom Weibe emanzipiert hat. Beispiel: Perseus, welcher der Medusa den Kopf abschlägt. Ebenso alle Helden, die einen Drachen besiegen. Der Drache steht grundsätzlich für das sich anfangs noch klonende, später für das männerfressende Urweib. Bei manchen Spinnen und anderen niederen Tieren haben wir heute noch diese Zustände. Der Mensch entstand dadurch, daß der Mann sich von diesem Urweib kämpferisch emanzipiert hat, über es hinauswuchs, und damit die Kulturwelt begründe.

Der Feminismus, wie er in dieser seltsamen Carmen-Aufführung zum Zuge kommt, ist ein "Backlash" oder Atavismus aus der matriarchischen Vorzeit. Es ist das Tier aus dem Abgrund, wie es in der Johannes-Apokalypse gezeichnet wird. Und dieses Tier wird sich niemals offenbaren als das, was es ist, sondern sich moralisch bemänteln.

Wir sollten derartige Kultur-Barbareien als Aufforderung verstehen, unsere je persönliche Entscheidung zu treffen. Denn es steht eine Entscheidung bevor. Verhindern können wir solche Aufführungen ja nicht. Wir sollten das, so meine ich, auch nicht versuchen. Es gibt keine aufsteigende Evolution eines Teils der Menschheit, wenn es nicht auch eine absteigende Evolution - eine Devolution - eines Teils der Menschhheit gibt. Das ist ein Prozeß der Differenzierung. Hierüber sich zu ärgern, das ist völlig sinnlos.

Gruß
trel

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