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Weiber in Männerberufen. Die Fernfahrerin.

T.R.E.Lentze, Montag, 08. Januar 2018, 16:40 (vor 220 Tagen)

Der "Spiegel"-Bericht hat mein Interesse geweckt, weil ich selbst als Fernfahrer tätig war und aushilfsweise immer noch Lastwagen fahre.

Hier geht es um ein ganz dummes Mißgeschick. Für die Betroffene sicher sehr unangenehm; für den Leser - und offensichtlich auch für den Redakteur - aber auch amüsant.

Die 50-jährige Fernfahrerin wollte eigentlich ins Bett gehen. [...] Doch als sie noch einmal kurz im Nachthemd ihren Truck verließ, verriegelten sich dessen Türen in der Nacht zum Freitag selbstständig, wie die Polizei mitteilte.

Das wundert mich allerdings. Ich habe erst kürzlich einen ganz neuen 18-Tonner frisch vom Werk gefahren, aber daß sich die Fahrertür von selbst verriegelt, das kenne ich nicht. Zumal wenn, wie hier, der Motor läuft, also der Schlüssel steckt. Aber wie dem sei.

Die Fahrerin rief ihren Lkw-Kundendienst an, der allerdings keinen Mitarbeiter schicken wollte.

Das muß noch vor Werksfeierabend gewesen sein.

Um kurz vor halb eins morgens erreichte die Polizei nach eigenen Angaben der Hilferuf der Frau, die bei strömendem Regen vor ihrem Wagen stand. [...] "Mit Einverständnis der Fahrerin haben die Polizeibeamten eine Scheibe des LKW eingeschlagen und die missliche Lage beendet", hieß es in der Mitteilung. Durch das Loch in der Scheibe ließ sich eine Tür des Lasters öffnen. Die Fahrerin schlief bei offenem Fenster.

Und sie schlief gewiß ohne ihr Nachthemd, denn das muß ja klatschnaß gewesen sein. Hoffen wir, daß sie nicht noch unerwünschten Besuch gekriegt hat. Ich meine nicht von geilen Männern, sondern vor Allem von bewaffneten Lkw-Räubern. Der Lkw-Raub, auch bei geschlossenen Türen und Fenstern, bisweilen mit brutaler Mißhandlung des Fahrers, ist mittlerweile sehr häufig geworden. Das ist ein Teil der organisierten Krimininalität, vor der die deutsche Polizei längst kapituliert hat.

Im Übrigen frage ich mich, warum die Frau, außer von der Polizei, keine Hilfe gekriegt hat, auch nicht vom ADAC, wie dem Polizeibericht zu entnehmen ist. Auch im Autohof konnte oder wollte man ihr offenbar keine Schlafgelegenheit geben. Und was ist mit ihrem Chef? War auch der nicht erreichbar?

Ich halte für möglich, daß die Männer, an die sie sich hilfesuchend gewandt hat, ihr vielleicht hätten helfen können, es aber nicht wollten. Und das kann ich verstehen. Was treibt eine Frau dazu, einen typischen Männerberuf zu ergreifen?

Ich bin mal, vor vielen Jahren allerdings, einer hilfesuchenden Lastzugfahrerin begegnet. Die hatte einen Lkw mit Anhänger durch eine zugegebenermaßen sehr enge Straße zu fahren und traute sich nicht. Ich übernahm dann das Steuer für die kurze Strecke.

Als Mann hilft man einer Frau normalerweise gern, zumal man so auch Gelegenheit hat, sein Können zu beweisen. Aber wenn man schließlich den Eindruck bekommt, daß hier Feminismus im Spiel ist - "Frauen können alles, was Männer können, mindestens genauso gut" -, dann verliert man die Lust und amüsiert sich am weiblichen Versagen so wie man sich am Versagen von Angebern amüsiert.

Dieser Punkt scheint erreicht zu sein.

trel

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