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Mein Schlußwort

admin ⌂ @, Sonntag, 26. November 2017, 16:41 (vor 18 Tagen) @ Der/Anarchist

Mehr ist von meiner Seite aus nicht mehr zu sagen.

Dann gebe auch ich noch ein Schlußwort.

Wir haben keine Möglichkeit der Verständigung, weil du ständig mit einem eigenwilligen Begriff von Wissenschaft operierst. Daran hatten wir uns schon früher gerieben, und ich hatte dir damals geraten, zumindest mal in der Wikipedia den Artikel über Wissenschaftstheorie aufzurufen. An der Uni ist es natürlich verpönt, sich auf die Wikipedia zu berufen. Aber wem es an Grundkenntnissen fehlt, der ist mit der Wikipedia gut beraten, zumal dort auch auf weiterführende Fachliteratur verwiesen wird.

Wissenschaft ist kein geeignetes Mittel, um einen Überblick über die Realität zu gewinnen. Denn Wissenschaft schreitet immer fort in Richtung einer Differenzierung und Spezialisierung. Umgekehrt verhält es sich mit Philosophie. Beide, Philosophie und Wissenschaft, bedingen einander: Philosophie gibt der Wissenschaft die erkenntnis- und wahrheitstheoretische Grundlage, und Wissenschaft gibt der Philosophie das Material, aus dem diese ein zusammenhängendes Weltbild fügt.

Was den Genderismus betrifft - nicht den Feminismus (du weigerst dich zu differenzieren) -, so ist er durchaus wissenschaftlich eingestellt, und genau das macht ihn so lebensfremd. Damit will ich nicht sagen, daß Gender-Professorinnen grundsätzlich über ein nennenswertes wissenschaftliches Denkvermögen verfügen. Das Bildungsniveau heutiger Abiturienten reicht oft nicht einmal an das Niveau von Volksschulabschlüssen früherer Zeiten heran. In den naturwissenschaftlichen Fächern werden diese Leute meist im ersten Semester schon ausgesiebt (die Durchfallquote kann über 50 % betragen); in anderen Fächern aber können sie Professuren erlangen. Dennoch gibt es einige dieser meist weiblichen Professoren, die hoch intelligent sind und sehr wissenschaftlich denken, so wie etwa die Judith Butler. Aber genau das macht sie lebensfremd. Den Extremfall bilden die schon erwähnten intelligenten Wahnkranken.

Was dich betrifft, so bist du - aus meiner Sicht - hängengeblieben in einer unvollständigen Emanzipationsphase. Du hast dich teilweise gelöst aus der kirchlichen Autoritätsgläubigkeit eines Menschen des 19. Jahrhunderts und strebst hin zum wissenschaftlichen Weltbild ebenfalls des 19. Jahrhunderts, ohne es wirklich erreicht zu haben. Unter den Nicht-mehr-Gläubigen warst du sozusagen der einäugige König; unter den wissenschaftlich Gebildeten warst du der gescheiterte Aspirant, und bist es heute erst recht.

Wissenschaft hat für dich immer noch Glaubenscharakter. Das liegt daran, daß du sie nicht wirklich kennengelernt hast, vor Allem nicht in ihrem heutigen Niveau. So scheinst du auch Glaubensinhalte mit Hypothesen zu verwechseln. Was ich hier geschrieben habe über die differierenden Ziele von Feminismus und Genderismus, sind keine Glaubeninhalte, sondern Hypothesen. Hypothesen sind legitime Mittel der Wissenschaft, sinnvolle Zusammenhänge aufzuzeigen, um der Forschung eine Richtung zu geben. Sinnvoll sind sie dann, wenn sie möglich, in sich schlüssig und geeignet sind, mehre Fragen zugleich widerspruchsfrei zu beantworten. Dann bleiben sie sinnvoll auch dann, wenn sie sich im Nachhinein als unzutreffend erweisen.

Es stimmt auch nicht, was du behauptest:

gehe zu einem Feministen und sage ihm, er "wolle den Menschen auf den gebärfähigen, sich klonenden Urmenschen zurückführen". Der wüsste überhaupt nicht, wovon Du redest.

Doch, gerade die radikalsten (und gebildetsten) Feministen, wie etwa Sally Miller Gearhart, wüßten es. Sie plädiert ja für die Wiedereinführung der Parthenogenese, diesmal durch technische Mittel. Du müßtest nur einmal meine Artikel über sie nachlesen, vielleicht auch ihre Schrift "The Future - If There Is One - Is Female" studieren oder davon meine deutsche Übersetzung. Und auch Vertreter der (feministischen) Matriarchatsbewegung) wüßten, wovon ich spreche. Die Genderisten sicher auch. Du hast dich nicht sachkundig gemacht.

Die Widersprüche des Genderismus, die du aufführst, etwa, daß das Geschlecht konstruiert sei, Homosexualität aber angeboren, sprechen ebenfalls nicht gegen den wissenschaftlichen Charakter - es sei denn, sie kämen aus demselben Mund. Ich weiß, daß das vorkommt, siehe oben. Aber ansonsten ist Widersprüchlichkeit ein Kennzeichen jeder Wissenschaft. Oft genug gibt es zum selben Thema widersprechende Meinungen, Paradgmen oder sogar widersprechende Tatsachen.

Die Primitivität im Denken, die du den Genderisten ("und Feministen") zuschreibst, ist deine eigene. Und die projizierst du auf sie. Ähnlich wie die Linkspopulisten alle, die ihnen widersprechen, in einen Sack packen und "Nazi" draufschreiben, so packst du die Andersdenkenden in einen Sack und schreibst "primitiv" darauf. Dein Feindbild reicht historisch weiter zurück als das der "Antifaschisten".

Ich wollte dir mit meinen Erklärungen nicht den Tag verderben, aber geht denn das heute überhaupt? Heute ist Totensonntag. - Wenn ich dir eine Empfehlung geben darf: Versuch einmal, dich in die Wissenschafts-Geschichte und Theorie einzuarbeiten. Oder studiere Philosophie. Was hast du in Köln eigentlich studiert?

Gruß
admin

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Würde das bloß Weibliche wirken, so würde die Individualität der Menschen ausgelöscht werden, die Menschen würden alle gleich werden. [...] Individualisierung geschieht durch die Einwirkung des männlichen Geschlechts auf das weibliche. (Rudolf Steiner)


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