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Was ist primitiv?

admin ⌂ @, Freitag, 24. November 2017, 13:38 (vor 20 Tagen) @ Der/Anarchist

Allein auf Grund seiner Aussagen halte ich ihn weiterhin für primitiv, da er sich, wie das Wort primitiv bezeichnet, sich nicht allzusehr geistig entwickelt hat.

Ich stimme dir ja im Wesentlichen zu, aber wir sollten, was Begriffe angeht, gewissenhaft vorgehen. Ein primitiver Mensch kann meines Erachtens nicht Feminist sein, weil Primitivität auch Natürlichkeit beinhaltet. Feminismus ist aber eine Ideologie, also eine komplizierte Verbindung aus Kopfdenken und einem ungeklärtem, nicht unbedingt natürlichem Begehren. Sie befällt die zu sehr "hochgezüchteten", durch Verlust des Ursprungs dekadent gewordenen Menschen. Ich glaube, daß gerade Nietzsche, den du ja - wie ich übrigens auch - sehr schätzst, mir darin zustimmen würde.

Wie ich schon früher ausführte - vergleiche dazu einen meiner frühesten Internet-Artikel überhaupt, die Bausteine zu einer Philosophie des Sexismus (28-1-08) - hat Nietzsche in seiner "Genealogie der Moral" (1887) Gedanken entwickelt, die geeignet sind, den Feminismus zu verstehen. Ich gebe das dortige Nietzsche-Zitat hier wieder:

Der Sklavenaufstand in der Moral beginnt damit, dass das Ressentiment selbst schöpferisch wird und Werte gebiert: das Ressentiment solcher Wesen, denen die eigentliche Reaktion, die der That versagt ist, die sich nur durch eine imaginäre Rache schadlos halten. Während alle vornehme Moral aus einem triumphirenden Ja-sagen zu sich selber herauswächst, sagt die Sklaven-Moral von vornherein Nein zu einem "Ausserhalb", zu einem "Anders", zu einem "Nicht-selbst": und dies Nein ist ihre schöpferische That.

Die ritterlich-aristokratischen Werthurteile haben zu ihrer Voraussetzung eine mächtige Leiblichkeit, eine blühende, reiche, selbst überschäumende Gesundheit, sammt dem, was deren Erhaltung bedingt, Krieg, Abenteuer, Jagd, Tanz, Kampfspiele und Alles überhaupt, was starkes, freies, frohgemuthes Handeln in sich schließt. [...Dagegen:]

Die Priester sind, wie bekannt, die bösesten Feinde - weshalb doch ? Weil sie die ohnmächtigsten sind. Aus der Ohnmacht wächst bei ihnen der Hass in's Ungeheure und Unheimliche, in's Geistigste und Giftigste. Die ganz grossen Hasser in der Weltgeschichte sind immer Priester gewesen, auch die geistreichsten Hasser: - gegen den Geist der priesterlichen Rache kommt überhaupt aller übrige Geist kaum in Betracht.

Daran habe ich nur die Zuschreibung der Ressentiment-Moral auf die "Priesterkaste", speziell die christliche, zu kritisieren. Vielleicht stimmte es damals sogar, doch heute sind es nur allzu deutlich die Feministen, welche die von Nietzsche so bezeichneten "Priester" verkörpern. Und das sind eben keine einfachen, natürlichen, insofern primitiven Menschen. Vielmehr sind es hoch entwickelte, aber in ihrer Entwicklung verunglückte Menschen.

Bedenke auch, daß die Zuschreibung "primitiv" einen diffus beleidigenden Charakter hat und insofern nichts bewirkt, weil sie nichts erklärt, vielmehr die eigene Hilflosigkeit zum Ausdruck bringt. Die natürliche Dummheit der "Primitiven" und "Penner" sollte für wirklich intelligente Menschen überhaupt kein Problem darstellen.

Gruß
admin

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Würde das bloß Weibliche wirken, so würde die Individualität der Menschen ausgelöscht werden, die Menschen würden alle gleich werden. [...] Individualisierung geschieht durch die Einwirkung des männlichen Geschlechts auf das weibliche. (Rudolf Steiner)


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