Bildungsanstalt

Stephan, Montag, 16. Oktober 2017, 22:53 (vor 33 Tagen) @ admin

Sehen wir uns den Originaltext an:

(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.

Von "einzig und allein" steht da nichts. Vielmehr folgt eine Einschränkung.

Das Erziehungsrecht ist schon durch die Natur der Sache ein Ausschließlichkeitsrecht. Das muß nicht besonders erwähnt werden.

Die Einschränkung betrifft nur Fälle, in denen die Eltern versagen oder bei Verwahrlosung.

Er setzt seine Wertung nicht an die Stelle von der des Schülers, sondern eventuell ihr gegenüber. Und Wertungen werden auch nicht benotet. Ich meine natürlich den Normalfall.

Ich sprach aber von der Notengebung.

Der Lehrer hat sich mit persönlichen Standpunkten zurückzuhalten.


Da sind wir verschiedener Meinung. In der Standpunktlosigkeit sehe ich ein Übel. Es geht ja auch nicht darum, den eigenen Standpunkt durchzusetzen. Es geht um ein Modell, an welchem das Kind seinen eigenen Standpunkt feststellen kann, sei es zustimmend, sei es ablehnend. Ohne ein solches Modell gibt es keine Orientierung.

Er kann verschiedene Standpunkte vorstellen, und sagen, daß es diese Standpunkte gibt. Sobald er aber einen Standpunkt als seinen eigenen vertritt, manipuliert er.


In dem Falle dürften aber auch die Eltern, d.s. heute vor Allem die Mütter, versagt haben. Im Übrigen sollte man den Einfluß vermittelter Weltbilder nicht überschätzen. Wir sehen ja an dem Wahlverhalten der Mitteldeutschen, daß gerade die politische Manipulation (wie sie in der DDR üblich war) eher zu Kritikfähigkeit erzieht.

Die DDR war ein Gewaltapparat. Die brauchten nicht zu manipulieren, sondern setzten ihre Ziele einfach mit Gewalt durch. Die Menschen blieben klar im Kopf, und als der Gewaltapparat weg war, waren sie wieder normal.

Im Westen hingegen mußte man den Weg der Manipulation gehen. Die findet seit den 68ern schleichend an unseren Schulen statt.

Erziehung geht niemals allein von den Eltern aus, sondern vom gesamten Umfeld. Dazu gehört auch viel Unterschwelliges. Trennen läßt sich das alles kaum.

Du verwechselst Erziehung mit Einflußnahme. Sicher beeinflußt das Umfeld das Verhalten des Kindes. Aber Du würdest es doch sicher nicht dulden, wenn Fremde erzieherisch gegenüber Deinen Kindern tätig werden?


Nochmals: Ich lehne deine These radikal ab. Allenfalls stimme ich dir darin zu, daß die heutige Schule ihre Aufgaben schlecht erfüllt. Die Aufgabe, die sie relativ noch am besten erfüllt, ist freilich die Wissensvermittlung, und zwar deshalb, weil diese am meisten mit Objektivität zu tun hat.

Nicht einmal die Wissensvermittlung erfüllt die Schule heute noch.

Das darf aber nicht zu moralischer Abstinenz führen. Andernfalls könnte man auch den Eltern die Erziehung verbieten, weil heute vermutlich die wenigsten Eltern ihre Erziehungspflicht so wahrnehmen können, wie es früher möglich und üblich war, als der Staat noch nicht die Folgekosten trug.

Das ist kein Argument. Wenn die Schule zu moralischer Abstinenz führt, soll man Eltern die Erziehung verbieten? Das ergibt keinen Sinn.


Schlechte Lehrer sind besser als gar keine, so wie schlechtes Essen besser ist als gar keines. Und mit Lehrern meine ich jetzt eben nicht die bloßen Wissensvermittler. Dein Standpunkt entspringt einer Resignation, die nihilistische Züge trägt. Damit verbauen wir uns die Zukunft, die wir wünschen.


Warum wirst Du persönlich? Das kenn ich normalerweise nur von Feministinnen.

Schlechtes Essen kann man zur Not mal nehmen, giftiges Essen aber nicht.

Zum Thema zurück:

Was soll der Lehrer Deiner Ansicht nach über die Wissensvermittlung hinaus noch leisten?


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