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Bildungsanstalt

admin ⌂ @, Sonntag, 15. Oktober 2017, 09:51 (vor 34 Tagen) @ Platon

Für mich ist umgekehrt absolut klar, daß die Grundschule eben nicht nur der Wissensvermittlung dient. Primär ist die Schule, und gerade die Grundschule, eine Bildungsanstalt.


Was verstehst Du darunter?

Siehe zur Erstinformation den Wikipedia-Artikel Schule. Ich zitiere den einleitenden Absatz (Hervorhebungen durch mich):

Eine Schule [...], auch Bildungsanstalt oder Lehranstalt genannt, ist eine Institution, deren Bildungsauftrag im Lehren und Lernen, also in der Vermittlung von Wissen und Können durch Lehrer an Schüler, aber auch in der Wertevermittlung und in der Erziehung und Bildung zu mündigen, sich verantwortlich in die Gesellschaft einbringenden Persönlichkeiten besteht.

Bloßes Wissen macht niemals einen "mündigen, sich verantwortlich in die Gesellschaft einbringenden" Menschen. Wissen ist nur Hilfsmittel; die entscheidende Frage ist, wofür es angewandt wird. Es geht also primär immer um das wertende Vermögen eines Menschen, seine moralische Urteilskraft.

Diese Fähigkeiten müssen entwickelt werden, und das geht beim kindlichen Menschen nur durch Vorbilder. Der Lehrer, gerade an der Grundschule, muß also moralisches Vorbild sein. Auf Inhalte kommt es dabei nicht an. Ob der Lehrer z.B. für die NPD, AfD oder für eine Systempartei eintritt und dies auch sagt, ist also nicht entscheidend. Entscheidend ist, daß er überhaupt einen Standpunkt hat, also Orientierung bietet, und mit moralischer Verve und Begeisterung dafür eintritt. Die "Richtigkeit" seines Standpunktes lernt das Kind mit zunehmender Reife selber zu beurteilen, vorausgesetzt, dieser Reifeprozeß setzt überhaupt erst mal ein. Toleranz ist keine Reifungsgrundlage, denn sie bietet keine Orientierung.

Die Mißstände, die unser politisches System und unsere gesellschaftlichen Verhältnisse charakterisieren, beruhen zum Allerwenigsten auf Mangel an Wissen. Wir leben in einer Wissensgesellschaft. Es ist so leicht wie nie zuvor, fehlendes Wissen sich zu erwerben, z.B. durch die Wikipedia. Woran es fehlt, sind moralische Qualitäten, so vor Allem die eigene Überzeugung und der Mut, sie bedingungslos zu vertreten.

Anders gesagt: der Kopf ist heute überbetont. In der Folge wird dann oft der Gegenpol, der Bauch, betont, etwa mit den Worten: "Da bin ich einfach meinem Bauchgefühl gefolgt." Das sind also zwei Extreme, und beide sind gleich gefährlich. Gesund ist einzig, wenn das Urteilsvermögen aus der Mitte kommt, also aus der Herzgegend. Folglich war früher, bevor die Einseitigkeiten auftraten, in vielen Redewendungen vom Herzen die Rede, etwa: "Er hat ein gutes Herz", d.h. er hat Empathievermögen; ebenso: "Mein Herz sagt mir...".

Das hat auch mit Glauben zu tun. Und wohlgemerkt, es gibt zwei ganz verschiedene Wortbedeutungen für Glaube. Zum einen bezeichnet er ein Defizit an Wissen. Ursprünglich aber und eigentlich bezeichnet er eine moralische Kraft, wie sie in der Redewendung zum Ausdruck kommt: "Ich glaube an dich." So ein Glauben kann etwas bewirken. Wir brauchen also Grundschulen, an denen die Lehrer über Glaubenskräfte verfügen. Alles Andere ist verzichtbar.

admin

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Würde das bloß Weibliche wirken, so würde die Individualität der Menschen ausgelöscht werden, die Menschen würden alle gleich werden. [...] Individualisierung geschieht durch die Einwirkung des männlichen Geschlechts auf das weibliche. (Rudolf Steiner)


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