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Wissenschaft?

admin ⌂ @, Mittwoch, 13. September 2017, 09:53 (vor 12 Tagen) @ Der/Anarchist

Echte Wissenschaftler wissen, daß sie nicht in der Lage sind, alles zu erklären. [...] Wissenschaft als Religion zu bezeichnen ist daher falsch. Wer die Wissenschaft anbetet, hat sie nicht wirklich verstanden.

Im Grunde stimmen wir überein. Beachte aber, daß ich Wissenschaft nicht als Religion bezeichne. Ich stelle lediglich fest, daß Wissenschaft für manche Leute die Funktion einer Religion übernimmt, wobei dann oft auch die Entgleisungen religiösen Lebens - Autoritätsgläubigkeit z.B. - übernommen werden.

Die Wissenschaft als gelebte Wirklichkeit, d.h. als soziales Phänomen, hat ihre Entartungen, ganz ähnlich wie die Kirche. Die Kirche ist ja ihrer Idee und ihrem Ursprung nach nichts Anderes als die Gemeinschaft der wahrhaft Gläubigen, zu denen übrigens auch die verstorbenen (genauer: zur Zeit nicht verkörperten) Gläubigen gehören. Ihr Ursprung liegt im Pfingstereignis, also in der "Ausgießung" des Heiligen / Heilenden Geistes, dem Zukunftsaspekt des väterlichen Urgrundes der Welt. Sie bedarf keiner äußeren Organisation. Hat sie aber eine solche, was zur Zeit der ersten Christenverfolgungen sinnvoll war, dann übernimmt sie auch alle Schwächen, zu denen Menschen fähig sind.

Mit der Wissenschaft ist es m.E. ähnlich. Sie ist zunächst einmal eine Idee. Da sie aber von Menschen betrieben wird, fließen in ihr auch menschliche Schwächen ein. Dann dürfen wir von einer "real existierenden" Wissenschaft sprechen. (Bekanntlich hat man auch zwischen einem wahren und einem real existierenden Sozialismus unterschieden, wobei ich mich frage, ob das in dem Falle die Sache trifft.)

Nein, er hat einfach nicht den Mut, die Wahrheit zu schreiben, weshalb es zu einem solch schlechten, da fehlerhaften Kommentar kommt.

Ich halte ihn für mutig. Mir scheint vielmehr, daß er die Wahrheit, auf die es hier ankommt, einfach nicht sieht, aufgrund einer persönlichen Wahrnehmungs-Beschränkung.

Dazu kommt, daß die Sozialwissenschaften mit Wissenschaft nicht allzuviel zu tun haben, was besonders gerne von Hadmut Danisch in seinen Kommentaren hervorragend bewiesen wird. Das Problem dieser Leute ist, daß sie die Komplexität des Menschen vereinfachen wollen, indem sie wichtige Eigenschaften des Menschen ausblenden, also die Realität (dieselbe Methode, die auch die Gender-Ideologen nutzen). Der Mensch beinhaltet nicht nur Verstand, sondern auch Gier, Wut, Motivation, Haß, Ehrgeiz, Willen, Glaube, Hoffnung...usw. dazu kommen noch seine Hormone, Gene, seine Sozialisation, seine individuelle Biographie und vor allem sein Geschlecht...und Martin [Michael] Klein sollte sich einmal fragen, warum seltsamerweise hauptsächlich der Mann verantwortlich war und ist für wissenschaftlichen Fortschritt, für Erfindungen, Entdeckungen...wenn doch angeblich das Geschlecht irrelevant sei.

Volle Zustimmung. Wobei es paradox wirkt, daß ausgerechnet Sozialwissenschaftler die soziale Realität verleugnen. Wären es Physiker, Mathematiker oder Informatiker, so wäre das naheliegender.

Leute wie Michael Klein sind in Wirklichkeit nicht konsequent in der Kritik des Feminismus. Ein Problem, das er mit zu vielen angeblich aufgeklärten Männern teilt.

Ja, das Problem mit den "zu vielen aufgeklärten Männern" kenne ich. Ich bin ja auch angefeindet worden ausgerechnet von Männern, mit denen mich - dem Anschein nach - dasselbe Ziel verbindet. Wie gesagt: die Idee einerseits und anderseits ihre Verkörperung in realen Menschen, das gilt es auseinander zu halten. Eine an sich gute Idee kann durch menschliche Schwächen - darunter Dominanzansprüchen - entstellt, ja sogar in ihr Gegenteil verkehrt werden.


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Würde das bloß Weibliche wirken, so würde die Individualität der Menschen ausgelöscht werden, die Menschen würden alle gleich werden. [...] Individualisierung geschieht durch die Einwirkung des männlichen Geschlechts auf das weibliche. (Rudolf Steiner)


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