Religiöse Behauptungen können nicht widerlegt werden, wissenschaftliche schon.

T.R.E.Lentze, Donnerstag, 25. Mai 2017, 20:41 (vor 177 Tagen) @ Der/Anarchist

Natürlich bin ich auf Deinen Text eingegangen. [...] Denn ich schrieb schlicht, daß jede Religion und jede Ideologie auf reinen Behauptungen beruht und jede dieser Behauptungen durch die Realität widerlegt wird.

Mir scheint, du hast es immer noch nicht verstanden. Religion beruht nicht auf Behauptungen, sondern auf Wertungen. Kennst du den Unterschied? Viele kennen ihn nicht.

Beispiele:

Ich bin Nichtraucher. Aber ich bin es nicht aufgrund von Behauptungen (die richtig oder falsch sein können), sondern weil der Rauch für mich keinen (Genuß-)Wert hat. Hätte er welchen, dann würde ich den (vernünftigen) Gründen zuwiderhandeln oder sie gar "widerlegen".

Ich bin Vegetarier. Aber nicht, weil es gesünder ist und weil ich gegen die Tierquälerei bin und schließlich auch noch die Welternährungslage im Sinn habe, sondern weil ich kein Bedürfnis habe nach Fleisch. Die guten Gründe kommen mir natürlich zupaß, aber ich würde sie anderenfalls "widerlegen" oder bagatellisieren, bestenfalls zugeben, daß ich willensschwach bin.

Ebenso bevorzuge ich keine Birnen gegenüber Äpfeln (um nur ein Beispiel zu nennen), weil ich darin mehr oder bessere Vitamine und Mineralstoffe vermute. Auch die Liebe zu einem Menschen wird man (hoffentlich) nicht begründen.

So ist es auch mit den Religionen, zu welchen ich auch deinen - pseudowissenschaftlich verbrämten - Materialismus zähle. Oder nehmen wir die Musik. Ich bin für viele musikalische Stilrichtungen völlig unempfänglich, für andere schon. Andere Menschen sind wiederum für andere Stile offen. Aber nicht weil ich bzw. sie dafür Gründe hätte(n)!

Du suchst zu oft nach Gründen, wo Gründe gar keine Rolle spielen. Zum Beispiel "erklärst" du die Überzeugung vom Leben außerhalb des physischen Leibes mit der Hoffnung auf ein besseres Leben im Jenseits. Aber die meisten Menschen gerade im überwiegend gläubigen Mittelalter hatten gar keine Paradieseshoffnung, vielmehr Höllenfurcht.

Also nochmal: Religion hat keine Gründe und braucht keine Gründe. Wer Gründe aufführt und damit überzeugen will, der glaubt nicht wirklich. Wohlgemerkt: Glaube in der zweiten Bedeutung, als Gefühls- und Willensakt.

Was übrigens die Gender-Ideologie betrifft, so handelt es sich ebenfalls um eine Wertungs-, also um eine Gefühls- und Willenssache. Sie läßt sich nicht widerlegen. Gegen die Widerleger wird politisch vorgegangen. Und wo Gründe tatsächlich widerlegt sind, wird auch ohne Gründe gehandelt. Darüber sollten wir uns im Klaren sein.


trel


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